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Ein Mann, ein kleines Boot, ein großer Ozean. Theodore Rezvoy, 35, will Ende Mai rudernd den Atlantik überqueren, vom Big Apple New York bis Frankreich. In der Wind- und Strömungs-günstigeren Ost-West Gegenrichtung hat er dies bereits einmal geschafft. |
Dabei wird der Abenteurer aus Odessa der Kielspur zweier legendärer Vorgänger - oder besser: Vorruderer - folgen: George Harbo und Frank Samuelsen, zwei Amerikaner mit norwegischen Wurzeln, ruderten bereits 1896 vom Battery Park auf Manhattan entlang der so genannten Golfstrom-Route bis nach Frankreich.
Die beiden Immigranten, enttäuscht und gelangweilt von der stumpfsinnigen Arbeit für die Fischindustrie, wollten mit einem großen Wurf, der ersten Atlantiküberquerung im Ruderboot, Aufmerksamkeit, Ruhm und natürlich auch Geld erlangen. Obwohl alles gegen das verrückte Projekt sprach, gelang es dem kleinen Team, in einer schier unglaublichen Odyssee von 55 Tagen die knapp 5.400 km lange Strecke glücklich hinter sich zu bringen. Doch ihr Traum von einer materiell gesicherten Zukunft erfüllte sich nicht. Die Welt nahm von dem neuen Rekord nur beiläufig Notiz. Erst das fesselnde Buch des Segel-Enthusiasten und Abenteurers David W. Shaw -Die Eroberung des Horizonts- erzählt der staunenden Nachwelt vom verzweifelten Kampf der beiden Ruderer gegen Hunger, Kälte, Orkane, Wale und Eisberge. Rezvoy beginnt seine Odysee übrigens am selben Ort - als Verneigung vor der großartigen Leistung seiner Vorgänger. Er weiß, wie gefährlich eine Atlantik-Überquerung in einer kleinen Nussschale ist. Stürme, haushohe Wellen, Windchill und Kälte, Verletzungen durch überanstrengte Muskeln - all dies setzt auch einem hartgesottenen Mann wie Rezvoy zu. Doch der Ukrainer, aufgewachsen in der früheren Sowjetunion, hat sich gründlich vorbereitet. Dabei ist es sein Ziel, als erst dritter Mensch, der den Atlantik in beiden Richtungen solo durchruderte, in die Sportgeschichte einzugehen. Bereits 2001 schaffte es Rezvoy in 67 Tagen von La Gomera nach Barbados. Der Franzose Emmanuel Coindre und der Brite Don Callum waren bislang die Einzigen mit gültigem Hin-und-Retour Ticket. Seine breite Palette an Sportaktivitäten kommt Theodore Rezvoy dabei zweifellos zugute: Segeln, Rudern, Klettern, Kampfsport, Tennis, Volleyball, Reiten bringen wohl eine solide Grundkonstitution. Im Zivilberuf arbeitet er als Computer-Designer und seit drei Jahren ist er als Webmaster für die britische Ocean Rowing Society (ORS) tätig, die sein Paddel-Abenteuer und das vieler Ozeanquerungen via GPS-Satellit verfolgt und für exakte Zeitnehmung sorgt. Der Grundstein für Rezvoys Karriere wurde wohl bereits in seiner Kindheit gelegt: Bereits seit sieben Generationen zeichnet sich seine Familie durch außergewöhnliche Personen aus, die in Wissenschaft, Sport oder Wirtschaft brillieren. Besonders prägend war aber wohl die Teilnahme an alljährlichen geologischen Expeditionen seines Vaters, etwa ins Pamir-Gebirge, im Nordwesten des Himalayasmassivs, und die Zeit, als er unter dem Spitznamen Ryzhyk (der Rothaarige) die Küstengewässer vom elterlichen Sommerhaus aus mit dem Kajak unsicher machte. Innerhalb der kleinen Elite an Solo-Ruderern und Ausdauersportlern, die sich bereits erfolgreich an Atlantikquerungen versuchten - darunter Anne Quéméré, Stein Hoff, Fedor Konyukhov und Coindre, der im Vorjahr die kürzere Strecke von Cape Cod, Massachussetts, aus in 87-einhalb Tagen schaffte - gilt Theodore oder Teddy, wie er von seinen Freunden gerufen wird, jedenfalls als Top-Anwärter auf eine neue Rekordzeit. |
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Autor Kurt F. |
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